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Looking for Answers Before the Question Arises

Collaboration Project SHARE at KIT for Sustainable Networking of Industry and Campus

Article within the current edition of the KIT magazine lookKIT on information at the Karlsruhe Institute of Technology, Edition 4/2016. The text was written in German, an excerpt is available in English at the end of the text.

 

„Wenn wir etwas erreichen wollen, müssen wir Köpfe zusammenbringen – Köpfe, die Lust haben zu denken und Neues zu entwickeln.“ Dr. Ralf Stopp ist Leiter des SHARE am KIT, einer deutschlandweit in dieser Art einmaligen Kooperation zwischen einer Forschungseinrichtung und einem Industrieunternehmen. Vor vier Jahren wurde die Zusammenarbeit vertraglich geregelt, seither ziehen das KIT und Schaeffler als Partner aus der freien Wirtschaft in vielen Projekten rund um die Themen Energiespeicher, Elektrische Antriebe und Automatisierte Mobilität an einem Strang. „Schaeffler Hub for Advanced Research am Karlsruher Institut für Technologie“ verbirgt sich hinter dem Namenskürzel SHARE am KIT.

Wichtigste Grundlage der Zusammenarbeit ist die physische Präsenz von Schaeffler am KIT: Das Unternehmen hat Räume auf dem Universitätsgelände gemietet und beschäftigt derzeit etwa 35 Mitarbeiter direkt vor Ort. Das Modell „Company on Campus“ ist hier also durchaus wörtlich zu verstehen. In erster Linie handelt es sich um Büroarbeitsplätze, die Schaeffler eingerichtet hat, sie werden ergänzt durch eine eigene Werkstatt und ein Labor. Hier werden Prototypen in verschiedenen Maßstäben entwickelt und erprobt.

„Wir verstehen uns als Schnittstelle zwischen Forschung und Industrie und sehen darin einen enormen Benefit für beide Partner“, so Stopp. Während die Forscherinnen und Forscher am KIT durch den Gedankenaustausch mit Schaeffler ein Gefühl dafür bekommen, welche Fragestellungen für den freien Markt relevant sind und so ihre Forschung verstärkt anwendungsorientiert ausrichten können, ermöglicht der universitäre Rahmen Schaeffler, frühzeitig technologische Potenziale zu erkennen und Projekte anzustoßen, die auf mehrere Jahre ausgelegt sind und damit innovative Produkte auf den Markt bringen zu können. Außerdem bringt SHARE am KIT die Studierenden frühzeitig mit der Industrie in Kontakt. An der Schnittstelle zwischen Forschung und Lehre werden gemeinsam vom KIT und Schaeffler für Studierendengruppen regelmäßig Workshops zu produktrelevanten Themen und Abschlussarbeiten angeboten. Allerdings mag Dr. Johannes Kolb, Leiter der Arbeitsgruppe Elektrische Antriebe, das Wort Schnittstelle nicht: „Für mich ist der Begriff Vernetzung passender. Wir bringen etwas zusammen, was ausgezeichnet zusammenpasst, nämlich Menschen sowie deren Wissen und Motivation.“ 

Die Zusammenarbeit geschieht auf verschiedenen Ebenen: Dem SHARE am KIT voran steht der paritätisch besetzte Steuerkreis, eine Art Aufsichtsrat, der zweimal im Jahr tagt, Projekte beschließt und Gelder bewilligt. Die vier Mitglieder rekrutieren sich unter anderem aus dem Präsidium des KIT und dem Schaeffler-Vorstand. Darüber hinaus gibt es projektspezifische Steuerkreise, die zweibis dreimal im Jahr zusammenkommen und denen Mitarbeiter aus verschiedenen Instituten und verschiedenen Schaeffler-Abteilungen angehören. „Wir führen in den Projekten also nicht nur Forschung und Wirtschaft zusammen, wir schaffen auch die Verbindung zwischen den unterschiedlichen Abteilungen und Fachbereichen sowohl beim KIT als auch bei Schaeffler. Das bringt die Komplexität der Projekte mit sich und führt zu erfreulichen Synergien“, so Stopp. Und hier entsteht eine weitere Vernetzung: die zwischen Professorinnen und Professoren, Oberingenieuren, Assistenten und Studierenden, die dadurch im Forschungsalltag zusammenkommen und gemeinsam Visionen entwickeln und verwirklichen.

Eines der Projekte, die bereits initiiert wurden, beschäftigt sich beispielsweise mit der Grundlagenforschung zu radintegrierten Antrieben mit leistungsstarken Motoren, die energetisch optimal, leise und robust sind. Diese Produkte könnten eine Rolle spielen, wenn es darum geht, innovative Lösungen für neue Formen individueller Mobilität zu finden. Stopp: „Man darf nicht erst nach Antworten suchen, wenn sich die Fragen stellen. Wir müssen vorbereitet sein auf verschiedene Szenarien und damit Chancen, die die Zukunft uns bieten könnte.“ In die Zusammenarbeit einbezogen sind vor allem Institute aus den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Materialwissenschaften.

Ein neues Projekt ist die Entwicklung eines Fahrzeugkonzeptes für die städtische Mobilität. Hier sind viele Kompetenzen gefragt und somit eine Vielzahl an Arbeitsgebieten, Fachbereichen und Abteilungen involviert. Es stellen sich Fragen nach Formen der Energiespeicherung (Batterie und Brennstoffzelle), nach Möglichkeiten elektrischer Antriebe (Elektromotoren und Leistungselektronik), nach Methoden, wie der Antrieb angesteuert (Regelalgorithmen) und wie das Fahrzeug bedient wird, sowie nach der Kommunikation zwischen Fahrzeug, Fahrerin bzw. Fahrer und Umwelt (Information). Denkbar sind auch automatisierte Fahrfunktionen. Jürgen Remmlinger, Leiter der Arbeitsgruppe Energiespeicher: „Aufgrund dieser Komplexität dienen unsere Projekte ebenfalls der Vernetzung zwischen den drei großen Säulen, auf denen die Forschung im KIT ruht: Mobilität, Energie und Information.“ 

Über den Horizont von KIT und Schaeffler hinaus werden im Rahmen öffentlich geförderter Projekte andere Forschungseinrichtungen und Industriepartner mit einbezogen. „Mit jeder neuen Vernetzung kommen neue Kompetenzen und Erfahrungen hinzu und es ergeben sich neue Möglichkeiten und Lösungen“, ist das Fazit von Dr. Marcel Mayer, Leiter der Arbeitsgruppe Automatisierte Mobilität.

Sehr hoch schätzt Stopp auch die Bedeutung der Motivation der beteiligten Projektmitarbeiter ein. „Für uns ist es wichtig, dass wir basierend auf persönlicher Wertschätzung und fachlicher Kompetenz gerne zusammenarbeiten, denn nur dann können wir auch erfolgreich sein.“ Dafür sorgt beispielsweise das halbjährlich stattfindende Netzwerktreffen, zu dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Projekte eingeladen sind und das immer sehr großen Anklang findet. Das Netzwerk umfasst derzeit ca. 75 Personen. „Diese intensive Zeit, die wir gemeinsam verbringen, die Gespräche, die wir in kreativer Atmosphäre führen, sie sind der Boden, auf dem neue Ideen wachsen und realisiert werden können.“

Den Erfolg, den Schaeffler bereits nach vier Jahren der Zusammenarbeit mit dem KIT sieht, wird das Unternehmen neben dem Standort im badischen Bühl auch auf seinen Standort in Herzogenaurach übertragen. Schaeffler hat dort per Vertrag im Sommer 2016 eine ähnliche Kooperation mit der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen begründet, Themen: Digitalisierung und Produktionstechnik. „Wir freuen uns auf die weitere Intensivierung unserer Zusammenarbeit im universitären Bereich“, blickt Stopp in die Zukunft. Denn das kann er gut: Köpfe zusammenbringen. 

Information: www.share.kit.edu

 

Excerpt in English

Collaboration Project SHARE at KIT for Sustainable Networking of Industry and Campus

Translation: Maike Schröder

 

The Schaeffler Hub for Advanced Research at Karlsruhe Institute of Technology, briefly called SHARE at KIT, is the only collaboration between a research institution and an industrial company of its type in Germany. Four years ago, the cooperation contract was concluded. Since then, KIT and its industry partner Schaeffler have been cooperating on many projects relating to energy storage, electric powertrains, and automated mobility. 

Schaeffler has rented rooms on the University Campus, where about 35 staff members are working. In addition to the offices, a workshop and a laboratory have been set up. Here, prototypes are developed and tested on various scales. 

Collaboration with Schaeffler gives KIT researchers a feeling for the requirements of the market. As a result, they can adapt their research activities much better to current practices. Schaeffler gets an early opportunity to identify technological potential on the campus and to initiate projects of several years’ duration to commercialize innovative products. And via SHARE at KIT, students can establish contacts to industry at an early stage.

Information: www.share.kit.edu (in German only)